allgemein, ausgabe #3

* Der blanke Protest

1 Kommentar 11 August 2009

* mehr umsatzabgaben gleich weniger talente

Die Diskussion ist unübersichtlich und schwammig. Ein Interessenkampf. Eingefleischte Konzertfans verunsichert. Veranstalter sauer. Die GEMA Sündenbock.

Erhöhung der Gemagebühr
text: natalie basedow

Die GEMA vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 60.000 Mitgliedern (Komponisten, Textautoren und Musikverleger). Geistiges Eigentum soll geschützt werden und wer es nutzt soll auch bezahlen. Darüber sind sich alle einig. Heftig debattiert werden dagegen die Form des Schutzes, die Höhe der Gebühren und die Verteilung des Linzensaufkommens.
Eine Zahl mit fast bedrohendem Charakter breitet sich aus in Deutschlands virtuellen Zweitwelt aus. Schlagartig. 600% Erhöhung der Gemagebühren!? Schluck, Schock, Panik. In Internetforen grummeln Fans und Veranstalter. Auf Facebook zwischen Urlaubsbildern aus Dänemark und dem neusten Glückkeksspruch, eine Verlinkung zum deutschen Bundestag. Eine Petition. 106 575 Mitzeichner fordern: „dass das Handeln der GEMA auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz […] überprüft wird und eine umfassende Reformierung in Hinblick auf die Berechnungsgrundlagen für Kleinveranstalter […] vorgenommen wird. Unzufriedenheit mit der GEMA, das spiegelt die virtuelle Öffentlichkeit wieder.
Was sagen Hannovers Veranstalter zum Thema und zur Gebührenerhöhung?

David Lampe, Veranstaltungskaufmann im Chez Heinz:

Ich bin der Meinung, dass künstlerische Arbeit definitiv "irgendwie" vergütet werden muss. Das Problem ist halt das "irgendwie"! Wenn wir unsere Konzerte im Béi Chéz Heinz betrachten sind gefühlte 95% der Künstler Leidenschaftsmusiker, die nicht ansatzweise durch ihre Musik leben können. Abhängig von Eintrittspreis & Raumgröße sind natürlich in JEDEM Fall Gemagebühren zu leisten. Bei einer lokalen Band sind oftmals grade mal 40 Gäste im Laden. Die ersten 10 bezahlen dabei dann erstmal für die GEMA-Gebühren. Mit den anderen Kosten heißt das für Veranstalter und Band dann oft draufzahlen! Und selbst wenn wie bei uns zumeist unbekanntere Bands spielen, die nicht in der GEMA sind, müssen wir die Bürokratie in Gang schmeißen und der Gema Formulare mit Adressen nebst Songlisten aushändigen und trotzdem Abgaben leisten. Das bewirkt, dass die vielen kleinen "Idealisten-" und Newcomerkonzerte wegen der definitiven GEMA-Gebühren nicht tragbar sind und somit wegfallen!

Die viel zitierte 600% Erhöhung schlägt dagegen in erster Instanz bei Grossveranstaltern zu buche und ist für uns wohl erst relevant, wenn die GEMA damit durch kommt und die Erhöhungen auch auf kleinere Veranstaltungen ausweitet. Inwiefern die T-Shirt-Abgabe geplant ist, weiß ich nicht. Es klingt wie absoluter Schwachsinn, da auch hier nur bei den grossen Geld verdient wird. Wenn eine unserer Bands 7 - 15 € für ein Shirt verlangt, deckt sie damit erstmal die Produktionskosten und sieht das als Werbung. Da auch noch (nicht vorhandenes!!!) Geld rauszuziehen grenzt an Diebstahl...

weitere info:
HandelsblattSpiegelGEMAPetition im Bundestag

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